Wenn Frauen in der Industrie Karriere machen… Portrait Sigrid Leutgeb

Sigrid Leutgeb hat uns im spannenden Karriere-Talk verraten, wie man sich in einer Männerdomäne durchsetzt, wer ihre persönlichen Idole sind und warum man als Frau auch mal etwas persönlicher werden darf.

Für Sigrid Leutgeb ist die Tätigkeit im Bereich Human Ressources ihr Traumjob. Die neue Personal-, EHS- und Kommunikationsleiterin der SKF Österreich AG und gebürtige Ennstalerin absolvierte die Matura an der HBLA Steyr, danach folgte das Studium der Betriebswirtschaftslehre an der WU Wien. Nach dem erfolgreich absolvierten Studium startete Sigrid Leutgeb zuerst in der Finanzabteilung eines Einzelhandelsunternehmens. Sie stellte aber bald fest, dass dies nicht der Bereich war, auf den sie ihren beruflichen Fokus legen wollte. Eine neue Geschäftsführung brachte frischen Wind in das Unternehmen und eine neue Richtung in die Karriere von Leutgeb: Die Finanzexpertin, die bereits mit den Personal-Agenden des Unternehmens betraut war, bekam die Möglichkeit eine eigene Personalabteilung aufzubauen. Dank dieser Umstrukturierung startete die heute 50-Jährige im HR-Bereich durch.

Die Leidenschaft für Human Ressources beeinflusste die weitere berufliche Laufbahn von Leutgeb maßgeblich. Die HR-Generalistin sammelte ihre weitläufigen beruflichen Erfahrungen in international agierenden Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen – darunter zum Beispiel Pharmaunternehmen wie Nycomed und Wyeth Whitehall, IT-Firmen wie Hewlett-Packard oder CompuGroup Medical oder wie zuletzt beim kanadischen Motorenhersteller BRP-Rotax. Die internationale Ausrichtung in ihrem beruflichen Werdegang war und ist Leutgeb wichtig. So war sie für HR-Agenden in Ländern wie der Schweiz und Saudi Arabien verantwortlich und baute Standorte in Osteuropa auf. Auch in ihrer derzeitigen Position zeichnet sie als HR Strategic Business Partner Special Bearings Cluster für mehrere Länder verantwortlich. Besonders die Möglichkeit, die unterschiedlichen Potenziale und Kompetenzen der Menschen mit der Unternehmensstrategie und den Unternehmenszielen in Einklang zu bringen, schätzt Leutgeb an ihrer Tätigkeit im HR-Bereich.

In ihrer neuen Position als Personal-, EHS- und Kommunikationsleiterin zeichnet Leutgeb für sämtliche Prozesse im HR-Bereich verantwortlich. Von der Ausrichtung der HR-Strategie, als Teil der Unternehmensstrategie, bis hin zu operativen Prozessen wie Talent Management, Personal- und Organisationsentwicklung, Compensation & Benefits. Weiters fallen die Agenden Health, Safety und Security und die Unternehmenskommunikation des Wälzlagerproduzenten in ihren Verantwortungsbereich, sowie die koordinierende Funktion für mehrere Länder als HR Strategic Business Partner.

Uns hat Sigrid Leutgeb im spannenden Karriere-Talk verraten, wie man sich in einer Männerdomäne durchsetzt, wer ihre persönlichen Idole sind und warum man als Frau auch mal etwas persönlicher werden darf.

Wie ist Ihre Meinung zur Industrie in OÖ, wie fühlen Sie sich als Frau im männerdominierten Umfeld?

Die OÖ Industrie ist einerseits stark geprägt durch einen recht dynamischen Weg durch Innovation, Wachstum und Internationalisierung, andererseits aber auch durch einen konservativen Part. Tradition, Bürokratie und manchmal auch recht starre Strukturen sind hier oft noch an der Tagesordnung. Das birgt ein recht interessantes Spannungsfeld.

Als Frau in diesem zweifelsohne sehr männerdominierten Umfeld fühlte ich mich nicht selten als Amazone und als einzige Frau auf weiter Flur. Dies änderte sich aber in den letzten Jahren. Man findet immer mehr sehr kompetente Frauen, die in der Industrie Fuß fassen.

Was wird von einer Frau in einer Führungsposition erwartet?

Ich bin der Meinung, dass sich heute jeder beweisen und seinen Beitrag leisten muss – egal ob Mann oder Frau. Als Frau wird man vielleicht eine Spur kritischer beobachtet. Aber auf der anderen Seite birgt das Frausein in einem männerdominierten Umfeld auch seine Vorteile. Beispielsweise darf ich in einem Mitarbeitergespräch auch mal etwas persönlicher werden.

Um in einer Führungsposition erfolgreich zu sein, sind zwei Punkte wichtig: Zum einen ist es das Networking. Und ich spreche nicht nur davon, dass Frauen ein Netzwerk unter Frauen etablieren, sondern viel wichtiger ist, dass Frauen in Führungspositionen ein Teil der bestehenden Netzwerke sind. Zum anderen ist es wichtig gute Mentoren zu haben, also Führungskräfte, die wesentlich mehr Erfahrung haben und die einem ab und zu einen Rat geben können. Es gibt viele gute Führungskräfte in Top-Positionen, die gerne die Funktion eines Mentors übernehmen und jemandem, der jung ist, zum Erfolg verhelfen. Sie waren einmal genau in derselben Situation und haben auch jemanden gebraucht, der sie gefördert hat. Aber das gilt für Frauen wie für Männer.

Wie meistern Sie den Ausgleich zwischen Berufs- und Privatleben?

Diese beiden Lebensbereiche strikt zu trennen ist in der heutigen digitalisierten Welt gar nicht so einfach. Aber natürlich ist es mir wichtig auch mal abzuschalten. Ein Ausgleich für mich ist Musik aktiv zu betreiben. Wichtig sind mir mein Freundeskreis und die gemeinsame Zeit mit meinem Mann. Diese verbringen wir mit Reisen, Lesen, in der Natur, Besuche von Konzerten und kulturellen Veranstaltungen, aber auch einfach mit Gesprächen bei einem guten Glas Wein.

Haben Sie ein persönliches Karrierevorbild oder hat Sie jemand dazu inspiriert, Ihren Weg so zu gehen?

Ich habe meinen Karriereweg nie wirklich geplant. Er hat sich ergeben, weil ich immer neugierig und offen für Neues war und bin. Meine Vorbilder kommen nicht aus dem beruflichen Umfeld, diese kommen aus ganz anderen Bereichen. Es ist vor allem die Persönlichkeit, die diese Frauen auszeichnet wie die Schriftstellerin Bertha von Suttner, oder die Nobelpreisträgerin Marie Curie, Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner und Kinderrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai. Allesamt mutige, zielorientierte und willensstarke Frauen. Eigenschaften, die auch in der Wirtschaft wichtig sind.

Was würden Sie anderen Frauen raten, die gerade am Anfang Ihrer Karriere stehen?

An sich selbst und an die eigenen Ziele zu glauben, immer weiter zu lernen und Mut zu haben. Jeder ist für die eigene Zukunft verantwortlich – daher sollten wir auch nicht zulassen, dass andere unser Leben bestimmen. Wir sollten unser Leben in vollen Zügen leben und es privat wie auch beruflich schätzen. Wichtig ist, immer das zu tun, was uns glücklich macht, sich nicht an Situationen anzupassen, die uns nicht gefallen, denn nur so finden wir echte Genugtuung. Immer neue Reize suchen und nie das Träumen aufgeben!

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