Weder geliebt noch gefürchtet

Führung in Zeiten des Wandels

Alle reden darüber und niemand hat damit ein Problem: Führung im Unternehmen. Geht man den Dingen aber auf den Grund, sieht das Bild sehr oft anders aus! Probleme im Betrieb und schlechte Ergebnisse sind viel häufiger eine Folge von Führungsdefiziten, als man dies erkennt oder auch eingestehen will. Vielen Managern/innen ist es aber sehr wohl bewusst.

Es kommt nicht von ungefähr, dass die Literatur über Führung so umfangreich ist und »Management-Gurus« sehr erfolgreich »ihren« – natürlich den einzig richtigen – Führungsstil predigen.
Die dynamischen Veränderungen des unternehmerischen Umfeldes und dessen zunehmende Komplexität tragen zusätzlich zu einer tiefen Verunsicherung vieler Manager/innen bei. Die Reaktionen schwanken von Negierung des Problems (»Die Mitarbeiter/innen haben einfach zu tun, was ich sage«) bis zur übersteiger-ten Sicht

Entscheidend im Wettbewerb
Sicher, es gibt kein für jede Person, jede Situation und jedes Unternehmen passendes »Führungsrezept«. Allerdings lassen sich sehr wohl Grundsätze und Prinzipien erfolgreicher Führung von und in Organisatio-nen erkennen, die sich in der Praxis langfristig bewährt haben. Besonders in Zeiten raschen Wandels und vieler Unsicherheiten im unternehmerischen Umfeld gewinnen Kontinuität und Klarheit in der Führung erheblich an Bedeutung. Es geht weder darum, als Manager/in geliebt noch darum gefürchtet zu werden, sondern das Vertrauen und den Respekt der Mitarbeiter/innen zu gewinnen und zu erhalten. Grundsätze und Prinzipien erfolgreicher Führung zu kennen und anwenden zu können ist heute ein entscheidender Wettbewerbsvorteil und von Talenten weitgehend unabhängig. Die gute Nachricht ist: Führen lässt sich erlernen! In diesem Sinn ist regelmäßiges Training auch von erfahrenen Führungskräften zur Erhaltung und Verbesserung der eigenen Fähigkeiten genau so wichtig wie eine fundierte Schulung des Führungs-kräftenachwuchses.

Führung mit Leidenschaft
Etwas anders verhalten sich die Dinge, wenn von »Leadership« die Rede ist. Hier kommen die Fähigkeit zur Vision, die Leidenschaft und die Emotion ins Spiel, also im Allgemeinen eher einem angeborenen Talent zugeschriebene Eigenschaften, die sich vordergründig nicht erlernen lassen. Und doch zeigt sich in der Praxis, dass auch geborene Führungspersönlichkeiten oftmals dramatisch scheitern, wenn sie sich ausschließlich auf ihr »Leadership« verlassen, die Management- Grundsätze und -Tools vernachlässigen oder tendenziell abgehoben und selbstherrlich agieren. Umgekehrt lassen sich unternehmerischer Mut und visionäre Leidenschaft durchaus auf der Basis einer sicheren Anwendung der Grundsätze und Prinzi-pien erfolgreichen Führens entwickeln, wenn die Freude an der Aufgabe und die Hingabe an den Erfolg des Unternehmens bewusst und auch erkennbar werden. Bis zu einem gewissen Grad lässt sich mit der eigenen Persönlichkeit also auch »Leadership« schulen.

Wichtig ist aber die Erkenntnis, dass es für einen nachhaltigen Erfolg eines Unternehmens dieser nicht bedarf. Entscheidend sind die Beherrschung und der Einsatz der üblichen Management-Tools und die Kenntnis der langfristig bewährten Führungsgrundsätze sowie Führungsprinzipien in der unternehmeri-schen Praxis.

»Man müsste eben der geborene Führertyp sein«, die Führungsstile zwischen »soft« bzw. übertrieben motivierend und autoritär bzw. unpersönlich distanziert.

Autor: Gerald Karner, Personalstratege & Managementberater HILL International