Outplacement – die Brücke in eine neue Zukunft

Eine/n Mitarbeiter/in zu kündigen oder selbst gekündigt zu werden – für beide Seiten eine unangenehme bis schmerzvolle Angelegenheit. Outplacement ist eine Möglichkeit, um Frust, Enttäuschung und lange Arbeitslosig-keit bei den Betroffenen sowie gleichzeitig die unternehmensseitigen Risken, wie z.B. langwierige Rechtsstreitig-keiten, negatives Image als Arbeitgeber und vor allem Demotivation sowie Verunsicherung bei den eigenen Mit-arbeiter/innen zu mindern oder sogar vorzubeugen. Dazu gehört allerdings das Interesse des Arbeitgebers die/den einstige/n Mitarbeiter/in mit Wertschätzung und Respekt auch im Auflösungsprozess des Arbeitsverhält-nisses zu begegnen und grundsätzlich einen Zugang zu zeitgemäßen HR-Management zu haben.

Unternehmen, die auch sonst keinen Wert und vor allem kein Budget für Personalentwicklung bereit legen, wer-den kaum einen Weg zu Outplacement finden. Daraus lässt sich meiner Meinung nach durchaus auch ein Bild der Unternehmenskultur erkennen. Wie wichtig sind der Unternehmensführung die Mitarbeiter/innen, deren Know-how, deren Zufriedenheit und gibt es Bewusstsein dafür, dass der Unternehmenserfolg wesentlich von diesen Faktoren abhängig ist? Sanierungsmaßnahmen, Restrukturierungen ausschließlich über Kostenstellen vorzunehmen, ist heute nicht mehr „state of the art“. Die Human Ressourcen als wesentliches Betriebskapital zu sehen, gibt auch den Verlust von Mitarbeiter/innen und deren Wissen eine andere Bedeutung.

Jede Trennung, egal in welcher Lebenslage und in welcher Beziehung bringt immer für beide Seiten eine schmerzvolle  Erfahrung und gleichzeitig auch das Bewusstsein darüber, was den eigenen Beitrag in dieser Trennungssituation ausmacht. Jedes Auseinandergehen, wo die Gesprächsbereitschaft erhalten bleibt und sich beide Seiten auf einer Ebene weiterhin begegnen können, ist ein Gewinn für alle Beteiligten. Die sonst übliche Sieger-Verlierer bzw. Täter-Opfer Dynamik, die letztlich niemanden einen Vorteil verschafft sondern im Gegenteil, nur Verlust von Energie, wertvoller Zeit sowie Geld bringt, findet keine Beachtung. Letztlich gab es auch am Be-ginn jeder Beziehung ein Einverständnis, gemeinsam in die gleiche Richtung zu gehen und meist ist es niemals wirklich mehr nachvollziehbar, wann bzw. wo genau sich die Wege getrennt haben. Doch genauso wenig wissen wir, ob sich diese Wege nicht wieder einmal kreuzen und zu einer andere Zeit, an einem anderen Ort möglicher-weise wieder vereinen, selbstverständlich unter anderen, neuen Gegebenheiten. Abgesehen davon, dass es für jeden aus menschlicher Sicht immer besser ist, unbelastet in eine neue Richtung nach einer Trennung zu gehen, ist es im Hinblick auf ein mögliches Wiedersehen auf jeden Fall die klügere Entscheidung. In der Praxis habe ich schon erlebt, dass einstige gekündigte Mitarbeiter/innen als Verhandlungspartner für einen wichtigen Auftrag plötzlich dem einstigen Management gegenüberstehen, das sich spätestens jetzt an keine belastenden Situatio-nen aus der Vergangenheit erinnern möchte. Das Bewusstsein darüber, dass eine Trennung im beiderseitigen Einverständnis die Türen offen lässt und das Vorwärtsgehen für alle ermöglicht, macht das Instrument Outplace-ment unübersehbar wertvoll.

Die inhaltliche Auseinandersetzung im Outplacementprozess mit dem Hier und Jetzt bringt für die Betroffenen weit mehr Vorteile als ursprünglich denk- bzw. sichtbar. Die Weiterentwicklung äußerst sich nicht nur durch ein Updaten in einem professionellen Bewerbungsverfahren und einen raschen Wechsel in einen neuen Job, son-dern wird im Coachingprozess durch die Konfrontation mit der eigenen Lebenssituation ein Türöffner, um die eigenen Ziele zu überprüfen, ev. zu korrigieren oder sogar ganz neue Möglichkeiten am Horizont zu erkennen. Ein neuer Abgleich zwischen Fremd- und Selbstbild, die Überprüfung der eigenen Positionierung am Arbeits-markt, die Chancen von Veränderung und das Verlassen bekannter Pfade bringen – zwar anfangs mit Vorsicht oder sogar Argwohn betrachtet – persönliche Weiterentwicklung. Unternehmensseitig ist schnell erkennbar, dass eine gute Auflösung von Arbeitsverhältnissen dem Image des Unternehmens, der Motivation der verbleibenden Mitarbeiter/innen und der Konzentration auf die Kernaufgaben dient. Vergleichbar zu den Vorteilen, die Outpla-cement bringt, sind die Kosten unerheblich und verschwindend gering. Denn diese haben sich alleine durch den positiven Effekt auf die Unternehmenskultur und das Betriebsklima mehrfach amortisiert.

Autorin: Ursula Tatzber, Wirtschaftstrainerin, Coach & Mediatorin HILL International