MOBBING – UND MIT DEM UNTERNEHMEN GEHT’S BERGAB

Mobbing schadet nicht nur dem Einzelnen, sondern gefährdet auch in hohem Maß das Betriebsklima, Image und den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Gemobbt wird dort, wo man mobben kann. Daher spielt die Haltung der Unternehmen und Führungspersonen im Mobbinggeschehen eine bedeutende Rolle.

Statistiken zufolge sind europaweit 5% bis 10% der Arbeitnehmer, davon mehr Frauen als Männer, von Mobbing betroffen. In Österreich sollen es sogar mindestens 8% der unselbstständigen Erwerbstätigen sein und bis zu 20% der Suizide können bei unseren deutschen Nachbarn darauf zurückgeführt werden. Mobbing ist niemals eine Lappalie, denn es geht um die Vernichtung der beruflichen und sozialen Existenz eines Menschen! Es herrscht also „Krieg“ am Arbeitsplatz, aber nur eine Seite ist bewaffnet und Schauplatz des Geschehens ist der Betrieb!

Zusätzlich erzeugt Mobbing einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden aufgrund daraus entstehender Allgemeinkosten, wie z.B. für Krankenhausaufenthalte, Therapien, Arbeitslosenunterstützungen und Frühpensionierungen. Vor allem aber bedeutet jeder Mobbingfall für ein einzelnes Unternehmen betriebswirtschaftliche Einbußen in beachtlichen Höhen von 7.000 bis 200.000 Euro (je nach Stellung des Betroffenen - vgl. Cornelia Schmidjell, Ratgeber der AK Salzburg). Daher ist es für Unternehmen unerlässlich, sich bewusst mit dieser Thematik auseinander zu setzen bzw. bereits im Vorfeld Mobbingprävention zu betreiben.

Denn das Phänomen Mobbing kann niemals auf die betroffenen Personen alleine reduziert werden, sondern ist ganz klar auch ein strukturelles Problem. Diesem kann durch strategische Maßnahmen bestens entgegengewirkt werden: ein wertschätzendes Gesprächsklima, faire Arbeitsbedingungen und eine konstruktive Konfliktkultur im Unternehmen sind einige Grundlagen, um psychosoziale Stressfaktoren zu verhindern. Offenheit in der Kommunikation, Transparenz bei Entscheidungen, klare Organisationsstrukturen und das Wahrnehmen von Führungsverantwortung, sowie Distanz zu jeglicher Art von Diskriminierung tragen zu einem „mobbingfreien“ und gesunden Unternehmen mit hochmotivierten Mitarbeiter/innen bei.

Prävention heißt auch immer Sensibilisierung und bewusstes Einlassen auf die Problematik. Daher ist es wichtig, dass Unternehmen ihre Führungskräfte und Mitarbeiter über Mobbingmechanismen und deren Auswirkungen aufklären. Überdies sind ständige Weiterbildungsmaßnahmen in den Bereichen soziale Interaktion, Konfliktmanagement und Kommunikation für alle Mitarbeiter, verstärkt natürlich auf Führungsebene, notwendig. Das Implementieren eines innerbetrieblichen Beschwerdesystems mit Vertrauenspersonen sowie externe Unterstützung durch Mediatoren und Supervisoren bewirken Entlastung bei den Mitarbeiter/innen, um Konflikte konstruktiv bearbeiten und fair auflösen zu können.

Doch was tun, wenn bereits gemobbt wird? Betroffene müssen bestmöglich versuchen einen klaren Kopf zu bewahren und sich auf keinen Fall in die Opferrolle abdrängen zu lassen. Passivität und Rückzug verstärken nur das Problem. Wichtig ist es, sich außerhalb des Arbeitsumfeldes Hilfe zu holen. Für das psychische Wohlbefinden ist sicherlich die Unterstützung von Familie und Freunden enorm wichtig. Um schweren oder sogar dauerhaften Beeinträchtigungen vorzubeugen, ist es aber unbedingt erforderlich, die Mobbingerlebnisse mit einem professionellen, psychologisch geschulten Berater aufzuarbeiten. Aufgrund der Erfahrungen und Rückmeldungen aus meiner täglichen Coachingtätigkeit weiß ich, wie hilfreich und entlastend professionelle Begleitung in einer neutralen Umgebung sowohl für Mobbingopfer als auch für Führungskräfte ist. Weitere Unterstützungen bieten außerdem dafür speziell eingerichteten Institutionen und für rechtliche Fragen auf Arbeitsrecht spezialisierte Rechtsanwälte.

Ob „Mobbingopfer“ oder „Mobbingzuseher“ – das Schlimmste ist nicht das Problem selbst, sondern wenn diesem keinerlei Aktivitäten entgegengesetzt werden, denn dann wird das Mobbing-System aufrechterhalten!

Autorin: Ursula Tatzber, Wirtschaftstrainerin, Coach & Mediatorin HILL International