Interkulturell managen!

Die Fusion von Know-how und Stil
Spricht man in Managerkreisen über interkulturelles Managen so meinen viele, dass die Tischsitten in China und die Überreichung von Visitenkarten in Tokio gelernt sein wollen. Und dabei sind viele von uns Österreichern seit der Wende mehr als nur 15 Jahre mit viel komplexeren interkulturellen Aufgabenstel-lungen im Umgang mit Mittel- und Osteuropäern konfrontiert worden.

Worauf kommt es also an, wenn Mann/Frau im marktwirtschaftlichen Wettlauf die Nase vorn haben will oder gar Längen gegenüber dem Mitbewerber/in siegen möchte, damit die Ost-/Westkooperation besser funktioniert?

Was von den Ost-Partnern am schnellsten gelernt wird und wo auch die Unterschiede immer mehr schmelzen, ist alles Technische. Unsere Leute in Dnjepropetrovsk etwa können mit unseren EDV-Experten/innen in Wien locker mithalten. Die Sprache und die Software ist dieselbe. Ähnlich gut entwickeln sich unsere Nachbarn im Bereich des Marketing und Verkaufs. Bei Finanz-Management-Zores gibt es noch jede Menge Aufholbedarf und ganz schwierig wird es im Personal-Management. Da schlagen noch sehr viele alt eingelernte Unarten durch, wie etwa der weit verbreitete Nepotismus bei Postenvergaben, ähnlich wie bei uns in der Politik. Die Werteebene, etwa „Was bedeutet Arbeit für Sie?“, kann als meilenweit verschieden von unserer Beschäftigungsideologie bezeichnet werden.

Wenn allerdings jemand das Wort „businessman“ in akzentfreiem Englisch auszusprechen vermag und nicht in der russischen Kalaschnikov-Version mit einem tiefen „u“ bei gespitzten Lippen und das „a“ als a lang gezogen, dann heißt das noch lange nicht, dass er dasselbe versteht wie unsereine/r. Worte kann man schnell erlernen, deren Inhalte schon schwerer und deren praktische Anwendung erst recht. Deshalb ist in jedem Fall eine ständige Hinterfragung der Sachinhalte angezeigt.

Handelt es sich nicht um das Was, sondern um das Wie des Umgangs miteinander, dann wird es richtig schwierig. Der graduelle Mangel an Zeitinvestition zum Ausgleichen kultureller Unterschiede definiert meist die Höhe der kommerziellen Flops im Mittel- und speziell in Osteuropa (von der Ukraine ostwärts).

Dabei spielen die drei klimaschaffenden Faktoren des Einfühlungsvermögens (Empathie), der Akzeptanz des Andersseins sowie die Echtheit (Kongruenz) in der Kommunikation wie überall in der Welt eine große Rolle. Diese therapeutische Weisheit des großen Psychotherapeuten Carl Rogers kann man trainieren. Jede Minute an Investition in diese Richtung hilft kulturelle Klüfte zu reduzieren und refinanziert sich vielfach.

 

Autor: Dr. Othmar Hill, Gründer & Präsident HILL International